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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Sonstiges
dresdenbild Offline




Beiträge: 134

24.06.2008 17:04
Fiktiver Brief an Jörg Schönbohm antworten

Sehr geehrter Herr Schönbohm

Ich möchte mich recht herzlich über Ihre Ausführungen in den "Tagesspiegel am Sonntag" vom 22. Juni des Jahres bedanken. Haben sie mir doch die Augen über mein Wesen als Kind der so genannten DDR geöffnet. Nachdem Sie vor geraumer Zeit die wahren Gründe für die fürchterlichen Kindestötungen genannt haben, ist Ihre letztliche Darlegung ein weiterer Meilenstein zur Aufarbeitung deutscher Geschichte und im Kampf gegen die Verklärung des ostzonalen Unrechtsstaates. Gewiss, ich gehe in mich, dass ich mich im zarten Kindesalter leider nur mit schwachem Unmut gegen das kollektive Töpfchensitzen auflehnte. Ach nein, dieser Terminus stammt ja von einer anderen Pfei... Entschuldigung, eines anderen Herrn Pfeiffers. Recht haben Sie jedoch, dass ich mich, dank der "DDR" Schulverblödung, wie die meisten anderen der 17 Millionen Deutschen, mich nicht zu einer geistigen Elite entwickelt habe. Wie sollten wir aber auch. Unser Schulalltag bestand ja Fahnenappell und Timurtrupp. Und selbst in Mathematik wurde, über den Umweg eines Beitrages im Lesebuch - so ich mich noch schwach entsinnen kann - der kommunistische Schwerverbrecher Wilhelm Pieck dafür verantwortlich gemacht, dass 6 x 6 36 ergibt. Ja, Sie haben es richtig bemerkt, ich kann lesen und sogar die deutsche Schrift. Trotz der Infiltration der russischen Sprache. Die englische musste ich ja doch nur erlernen, um mit englischsprechenden so genannten Klassengenossen die stets uns vorgekaute Ausbeutergesellschaft zu unterwandern. Bleiben wir noch bei Mathematik. Sie haben recht. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn rechtes Gedankengut wurde uns immer wieder eingebleut, so in der Geometrie. Die verbal Peitschen schwingenden Lehrer trichterten uns ein, dass 90° der rechte Winkel sei. Und erst im Musikunterricht. Wie ist es sonst zu erklären, dass die "DDR Jugendlichen" eine Affront gegen die so genannte ernste Musik hegten? Doch nur deshalb, weil gelehrt wurde, dass Mendelssohn ein Jude war. Das die Jugendlichen in der damaligen Bundesrepublik ebenfalls lieber die Beatles oder Stones hörten, kann nur daher stammen, dass ihnen der Musiklehrer die hehre Weisheit erörterten, dass die Nazigrößen Wagnerianer waren.
Ja, es gab Rechtsradikalismus und Ausländerhass in der "Zone". Das haben Sie richtig erkannt und ich schäme mich dafür. Besonders dafür, dass ich innerhalb der verordneten Ferienlager, in der demagogisch genannte "Pionierrepublik" am Werbelinsee, während eines Sportfestes meinen Landsmann (natürlich ein "DDR" Bursche) frenetisch anfeuerte und er vielleicht deshalb den Boxkampf gegen einen afrikanischen Jugendlichen gewann. Vielleicht kochte da in mir die schwarze "DDR - Seele" und insgeheim dachte ich gar dabei "nun poliere den Niggerknaben mal ordentlich die Fresse". Es spritzte sogar das Blut. Leider weiß ich nicht mehr aus wessen Nase der beiden Kontrahenten. Apropos Sport. Gegenwärtig befindet sich ja die Fußballeuropameisterschaft in der heißen Phase und, ich schäme mich wiederum, ich bin kein richtiger Deutscher, denn ich interessiere mich nicht besonders dafür. Nein, falsch. Ich fiebere doch ein wenig und wünsche mir insgeheim, dass die fantastische russische Mannschaft den Sieg holt. Aber das ist nun letztlich wiederum dem infiltrierten Russenglauben zuzuordnen. Auch schon einmal jubelte ich während eines Fußballspieles. 1974, dreimal dürfen Sie raten bei welchem Tor. Ich schäme mich heute dafür und würde mich freuen, wenn Sie alle Hebel in Bewegung setzen würden um nachzuweisen, dass Sparwasser vielleicht ganz ordentlich im "DDR" Dopingsumpf verstrickt war. Vielleicht heben Sie da einen gewissen Baumann aus der Versenkung. Der hat ja Erfahrungen mit Zahnpasta und so.
Sehr geehrter Herr Schönbohm. Sie haben den Nagel auf dem Kopf getroffen. Schuld an der Verklärung der DDR sind die noch nicht verschwundenen Straßennamen, namentlich die von Ihnen aufgeführten "Karl Marx" und "Clara Zetkin Straßen". Weg mit der Verherrlichung dieser Altstalinisten und fangen wir mit Karl Marx gleich einmal im ehemaligen Westberlin an. Und bleiben wir nicht bei der roten Megäre Clara Zetkin stehen. Die hat doch nur für Frauenrechte gekämpft. Herunter mit den Straßenschildern auf denen Rosa Luxemburg steht. Wähnte die sich einst nicht wieder unter dem Marx´schen Banner? Um dann, quasi als Zuckerbrot zur Peitsche einen bekannten Freiheitsbegriff vom Stapel zu lassen? Ich bitte Sie, Herr Schönbohm, Ihren obersten Dienstherren dazu aufzufordern, all diejenigen unter Beobachtung zu stellen, die sich dieser Luxemburgischen (wie kann dies Frau nur den Namen eines freien Landes tragen) Freiheitsdefinition einst und heute auf die Fahnen geschrieben haben. Auch wenn ich nicht zur Elite zähle weiß ich doch, dass es von der kommunistischen Unterwanderung über die Verklärung der so genannten DDR nicht weit bis zum Al Quaida Netzwerk ist. Währen Sie den Anfängen. Verbannen Sie Bertold Brecht von den bundesdeutschen Bühnen, dieser Augsburger Strolch lobte gar den Kommunismus und nannte diejenigen schmutzig, die den Kommunismus schmutzig und diejenigen dumm, die den Kommunismus dumm finden. Wirken Sie dafür, dass Tübkes Machwerk in Bad Frankenhausen platt gemacht wird. War doch der Bauernkrieg ein Baustein im Revoluzzergedanken der kommunistischen Möchtegernwelteroberer. Seien Sie nicht zimperlich wenn irgendeiner was von Kunst faselt. Irgendwo in dieser Betonschüssel wird sich doch ein asbestverkleidetes Heizungsrohr finden lassen.

Werter Herr Schönbohm. Das sind nur einige Gedanken, die mir als einstiges "DDR Kind" beim Lesen Ihrer Aufklärungsschriften durch den Kopf gehen und die mich demütig machen, es gibt noch viele weitere, so, wie es zum Beispiel sein kann, dass es trotz des unermüdlichen und verständnisvollen, gar edlen, Wirken der einstigen Treuhand und deren Nachfolger immer noch Betriebe und Einrichtung gibt, die es nicht lassen können und noch nicht in die Pleite gegangen sind. Wie es, neben den stalinistischen Straßennamen auch noch Plastiken und Bildnisse im öffentlichen Raum gibt, die die "DDR" und den Kommunismus glorifizieren. Kämpfen Sie für Recht und Ordnung und werden Sie nicht müde dafür einzustehen, dass dieses Gerümpel auf den Müllhaufen der Geschichte wandert. Ich wünsche Ihnen vom ganzen Herzen dafür Standhaftigkeit gegen all den aufmüpfigen alten "DDR Bürgern" und ein langes Leben.
Und wenn Sie einst den Weg alles Vergänglichen gewandelt sind, so werden sicher all die in sich gekehrten Seelen vor Dankbarkeit eine Straße nach Ihnen benennen. Nicht nur in Brandenburg, sondern wohl überall in unserem deutschen Vaterland. Ich wünsche mir dafür eine recht breite und gut asphaltierte Straße (damit man beim Lesen Ihres Namens auf dem Straßenschild immer daran erinnert wird, dass erst das Jahr 1990 uns "Zonenkindern" ordentliche Straßen bescherte).
Prädestiniert ob Ihrer wahren Oberlehrergröße, Ihrer stets ausgewogenen und im tief im Grunde richtigen Erkenntnisse, wäre ein glatter Fahrweg - geradehin zu einer Mülldeponie.

Mit freundlichen Grüßen

Matthias, ein Dresdner und daher nicht in Brandenburg wohnend.

Gast Offline



Beiträge: 128

25.06.2008 09:55
#2 RE: Fiktiver Brief an Jörg Schönbohm antworten

Hallo Matthias,

ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen. Dennoch denke ich das dieser Brief einfach zu lang ist und verschiedene Ausrichtungen hat. Einerseits die Bildung andereseits Auländerfeindlichkeit oder Fußball.
Wenn du einen richtigen Brief an Herrn Schönbom schreiben möchtest, würde ich den sicher auch unterschreiben. Virtuell oder richtig. Vielleicht ließe sich ja ein offener Brief realisieren.

Peter ( Gast )
Beiträge:

05.09.2015 11:37
#3 RE: Fiktiver Brief an Jörg Schönbohm antworten

Lieber Matthias,

beim Lesen deines langen Briefes erfasst auch mich die Sehnsucht nach den DDR-Zeiten ("doch wir waren viel zu jung.....").
Vielleicht würde uns Herr Schönbohm gern dabei helfen, die Uhr zurückzudrehen.

Peter

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